Vorwort

Vorwort von BM Alois Stöger diplômé

Bildgebende Verfahren sind ein wesentlicher und unverzichtbarer Bestandteil der diagnostischen Medizin. Bei sorgfältiger Anwendung überwiegt der Nutzen den möglicherweise durch die Strahlung verursachten Schaden bei weitem. Sorgfältige Anwendung bedeutet insbesondere auch, dass nur unbedingt notwendige Untersuchungen durchgeführt werden.

Die vorliegende Orientierungshilfe Radiologie enthält für viele klinische Fragestellungen Empfehlungen, welche radiologische oder nuklearmedizinische Untersuchung jeweils angezeigt ist. Ihre Verwendung kann wesentlich zur Verbesserung der klinischen Praxis und des Strahlenschutzes beitragen.

Ich danke allen, die an der Aktualisierung der Orientierungshilfe Radiologie mitgewirkt haben. Besonders erfreulich ist, dass diese Broschüre mit nahezu allen medizinisch wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs abgestimmt ist und somit einen sehr breiten Konsens darstellt.

Jede Ärztin und jeder Arzt in Österreich erhält ihr/sein persönliches Exemplar, was einzigartig in Europa ist. Ich ersuche Sie, die Orientierungshilfe Radiologie in der täglichen Praxis konsequent zu verwenden. Sie leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur optimalen und strahlenschonenden medizinischen Betreuung der Menschen in Österreich und zum ökonomischen Einsatz der bildgebenden Verfahren.

Alois Stöger diplômé
Bundesminister für Gesundheit

Vorwort der Herausgeber zur aktuellen Auflage (2011)

Der medizinische Fortschritt verlangt eine neue, vierte Auflage der Orientierungshilfe Radiologie.

Als Hinweis auf den erreichten Stellenwert der Orientierungshilfe in Österreich mag gelten, dass auf das Büchlein in den offiziellen Erläuterungen zur Medizinischen Strahlenschutzverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit ­Bezug genommen und seine Anwendung ausdrücklich empfohlen wird.

Seit der dritten Auflage 2006 sind zahlreiche Änderungen von diagnostischen Abklärungspfaden eingetreten, die zu berücksichtigen waren.

Erstmals wurde begonnen, Evidenzgrade der Empfehlungen anzuführen. Näheres dazu in der Einleitung.

Wieder wurden Empfehlungen in zahlreichen Arbeitskreisen ausgearbeitet, in einem extensiven Prozess abgestimmt und redigiert sowie eine umfangreiche Literaturrecherche durchgeführt.

In diesen Prozess waren nicht nur die radiologischen Gesellschaften, sondern auch alle mit der Österreichischen Ärzte­kammer assoziierten wissenschaftlichen Gesellschaften eingebunden, von denen zahlreiche Vorschläge berücksichtigt wurden – die Herausgeber danken für die Unterstützung bei der Neufassung.

Die ausgesprochenen Empfehlungen stellen somit auf Basis des derzeitigen Standes der wissenschaftlichen Evidenz den breitestmöglichen österreichischen Konsens dar und nehmen Rücksicht auf die in Österreich auch tatsächlich ver­fügbare bildgebende Diagnostik.

Im Zuge des Erstellungsprozesses wurden von den Arbeitsgruppen auch ausländische Anleitungen, wie die Empfehlungen des American College of Radiology, die Referral Guidelines des Royal College of Radiologists und die deutschen Guidelines, berücksichtigt. In der Bewertung des Evidenzgrades wurden die verdienstvollen und umfassenden Vorarbeiten des Royal College of Radiologists miteinbezogen. Auch konnte die ÖRG an der Erstellung der Referral Guidelines des Royal College of Radiologists mitwirken.

Das bewährte Layout und Format wurde beibehalten, neu eingefügt wurde ein Kapitel über die Einsatzmöglichkeit der Interventionellen Radiologie und eine kurze Tabelle über Besonderheiten bei der strahlenschonenden Untersuchung von Schwangeren.

Auch wenn im Text nicht explizit ausgeschrieben, beziehen sich alle personenbezogenen Formulierungen auf beide Geschlechter.

Wie schon bisher, erhält jeder österreichische Arzt sein eigenes Exemplar der Orientierungshilfe als Beilage der österreichischen Ärztezeitung zugesandt. Insbesondere diese Art der Verteilung hat die Orientierungshilfe in kürzester Zeit zu einer wichtigen Referenz für alle mit Überweisungen befassten Personen im österreichischen Gesundheitswesen werden lassen. Wir danken an dieser Stelle der Abteilung für medizinischen Strahlenschutz im Bundesministerium für Gesundheit und dem Gesundheitsminister für die finanzielle Unterstützung der vierten Auflage, die es möglich macht, alle Ärzte auch wieder mit einem persönlichen Exemplar dieser vierten Auflage zu versorgen. Wie bisher ist auch eine online Fassung der vierten Auflage mit komfortabler Suchfunktion erstellt worden und steht auf den Websites der beteiligten Gesellschaften und Verbände zum allgemeinen Gebrauch bereit. Alle Bemühungen von Software-Firmen, diese im Internet abrufbare Information über die Krankenhaus- und Arztpraxissoftware den überweisenden Ärzten einfach zugänglich zu machen, werden ausdrücklich unterstützt.

Verbesserungsvorschläge für die nächste, fünfte Auflage, ersuchen wir ausschließlich per E-Mail und unter exakter Bezeichnung der Nummer der Empfehlung, die verändert werden soll, an das Büro unter office@vbdo.at zu richten.

Aufgrund der immer eingreifenderen Regulation im Gesundheitswesen, erscheint es uns wichtig festzustellen, dass die Orientierungshilfe Radiologie ausschließlich als Hilfe für überweisende Ärzte gedacht ist. Ergebnisse von Diskussionen zwischen Radiologen und Klinikern, vor allem auch während multidisziplinärer Teammeetings, sind immer vorrangig.

Die Orientierungshilfe soll nicht dazu benutzt werden, die Anwendung verschiedener radiologischer Verfahren in spezifischen klinischen Umständen einzuschränken oder zu verhindern, sie definiert jedoch andererseits einen konsensualen Korridor vernünftigen medizinischen Handelns.

Univ. Doz. Dr. Franz Frühwald | BURA
Univ. Prof. Dr. Dimiter Tscholakoff | ÖRG

Dr. Klaus Wicke | VBDO
Univ. Prof. Dr. Franz Kainberger | VMSÖ

Vorwort der Herausgeber zur ersten Auflage (2000)

Kaum ein Fachbereich ist durch permanenten technischen Fortschritt derart rasanten Veränderungen unterworfen wie die Bilddiagnostik. Neue Verfahren werden integriert, bekannte Verfahren erhalten neue Einsatzgebiete, die Wertigkeit der Verfahren untereinander wird laufend neu gewichtet. Die Orientierung fällt zunehmend auch dem versierten Kliniker schwer. Nicht zuletzt deshalb erlegt die Richtlinie des Europäischen Rates EURATOM 97 /43 allen Ländern der EU die Verpflichtung auf, Aufzeichnungen zur Verfügung zu stellen, die klar strukturiert den sinnvollen Einsatz verschiedener bildgebender Verfahren beschreiben und durch eine konsequente Anwendung der Empfehlungen letztlich zu einer Reduktion der medizinischen Strahlenexposition führen.

Das vorliegende Büchlein wurde zusammengestellt um dieser Verpflichtung nachzukommen und um es zuweisenden Ärzten zu erleichtern, das für spezielle medizinische Situationen bestgeeignete bildgebende Verfahren auszuwählen. Es soll einen Beitrag leisten, die allgemeine Strahlenbelastung zu senken und den medizinischen Standard zu verbessern.

Aufbauend auf ähnlichen Bemühungen vor allem in Großbritannien aber auch in Deutschland und den USA wurde der Versuch unternommen, unter Berücksichtigung der Verfügbarkeit bestimmter Modalitäten aber auch unter Bedachtnahme auf Eckpfeiler der Gesundheitsversorgung (wie zB der Verfügbarkeit von Kassenverträgen und ähnlichem) eine Struktur zu erarbeiten, die auf möglichst strahlenschonende und kosteneffektive Weise ein Maximum an Information bei gleichzeitig möglichst geringer Anzahl an durchzuführenden Untersuchungen bewerkstelligen kann und die in der medizinischen Realität Österreichs auch anwendbar ist.

Da Österreich eine vorerst ausreichende Versorgungsdichte mit CT- und MRT-Geräten aufweist, die im Vergleich zu anderen Ländern auch durch die Allgemeinheit bzw. die soziale Krankenversicherung günstig in Anspruch genommen werden können, erfolgt die Empfehlung vor allem nach medizinischen Gesichtspunkten.

Dieses Büchlein wird wohl die medizinische Vorgehensweise beeinflussen; es war daher das Bestreben der Arbeitsgruppen und der Herausgeber zu einer möglichst korrekten Darstellung zu gelangen. Die vorgestellten Empfehlungen sind vom breiten Konsens der österreichischen Radiologen getragen. Dennoch kann es sein, dass manche medizinische Überzeugung im Einzelfall davon abweicht. Die Orientierungshilfe ist nicht als letztgültige Wahrheit zu sehen, besonders der versierte Spezialist und erfahrene Arzt mag durchaus anderen Algorithmen im Einsatz bildgebender Verfahren folgen. Je geringer die Erfahrung auf einem spezifischen Arbeitsgebiet allerdings ist, desto eher wird durch Beachtung der Empfehlungen das Ideal einer vernünftigen Evidenz basierten Medizin erreicht werden können.

Nicht alle denkmöglichen Situationen in der Betreuung von Patienten konnten dargestellt werden; im Tabellenteil wurden daher nur die wichtigsten und häufigsten klinischen Situationen beschrieben. Auch kann eine allgemeine Darstellung niemals die individuelle Betreuung jedes Patienten ersetzten, dessen besonderer Fall durchaus das Abweichen von den skizzierten Empfehlungen rechtfertigen kann. Umgekehrt befreit auch die strikte Einhaltung der Empfehlungen nicht von etwaiger Haftung. Die optimale Anpassung des diagnostischen Abklärungsprozesses an die individuellen, besonderen Umstände hat immer Vorrang.

Die Empfehlungen können daher lediglich als Anleitung für sinnvolles ärztliches Handeln in charakteristischen Situationen dienen. Sie berücksichtigen vor allem ärztlich – wissenschaftliche und weniger wirtschaftliche oder organisatorische Aspekte.

Die Empfehlungen sind daher für Ärzte unverbindlich und haben weder haftungsbegründenden noch haftungsbefreienden Charakter.

Einschränkungen in der Anwendung der Empfehlungen ergeben sich auch durch eine nicht umfassend verfügbare apparative Ausstattung der Röntgenabteilung oder -praxis. Die Entscheidung, ob einer Empfehlung gefolgt werden kann, ist also auch unter Berücksichtigung der individuellen klinischen Situation und der verfügbaren apparativen Ressourcen zu treffen. Auf Grund des raschen Wandels in der Medizin ist vorgesehen, jährlich eine Neufassung der Orientierungshilfe herauszugeben und die Letztversion im Internet zu veröffentlichen. Wir glauben, dass diese Vorgangsweise eine ausreichende Flexibilität gewährleistet.

Unsere Empfehlungen wurden den angeführten wissenschaftlichen Gesellschaften zur Kenntnis gebracht; alle rechtzeitig eingelangten Ergänzungen und Änderungsvorschläge wurden erwogen. Auch hinkünftig sind wir für Anregungen anderer wissenschaftlicher Gesellschaften offen. Kommentare, Ergänzungs- Erweiterungs- und Korrekturvorschläge sind willkommen und werden unter der folgenden E-Mail-Adresse erbeten: office@bura.at

Wir hoffen, dass diese erste Ausgabe der Orientierungshilfe Radiologie nützlich sein wird. Mit der Hilfe der Anregungen aller interessierten Leser sollte es gelingen, sie in den kommenden Jahren immer weiter zu verbessern.

F. Frühwald | BURA, VBDO
H. Czembirek | ÖRG
F. Kainberger | VMSÖ